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5 Entwicklungen, die die Mitarbeiterentwicklung 2022 beeinflussen

März 3, 2022 | by Doris Pearce-Niederwieser | 5 min read

Unsere Art zu arbeiten hat sich in den letzten Jahren ebenso verändert wie aktuelle Anforderungen und Jobrollen. Gleichzeitig kämpfen Unternehmen mit dem Fachkräftemangel und es fehlen dringend benötige Qualifizierungen für neue Aufgabengebiete. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IDW) erwarten 79 Prozent der Unternehmen, dass sich Mitarbeiter in den nächsten fünf Jahren durch Änderungen in den Tätigkeitsfeldern neue Kompetenzen aneignen müssen[i]. Aber wie kann man die benötigten Schulungsmaßnahmen und in den Arbeitsalltag einbinden und was gibt es dabei zu beachten? Auf Basis von Gesprächen mit Kunden, Partnern und Industrieverbänden haben wir fünf Trends für 2022 zusammengefasst.

Bequemes Bereitstellen von Lernangebote

Viele unserer Entscheidungen treffen wir aus Bequemlichkeit. Wir nutzen das uns bekannte eCommerce-Portal, weil wir dort registriert und mit den Zahlungsoptionen vertraut sind. Wir nehmen kostspieligere Tarife in Kauf, weil der Anbieterwechsel zu unbequem ist und kaufen Convenience Food, weil es Zeit spart. Convenience is Key! Das Angebot von Kursen und Lernangeboten war hingegen bisher häufig zu kompliziert. Stressbedingt absolvieren viele Mitarbeiter daher nur die zwingend notwendigen Schulungen. Fähigkeiten und Qualifikationen, die der eigenen Karriere zugutekommen und in der Zukunft auch im Unternehmen benötigen werden, bleiben so auf der Strecke.

Digitales Lernen hingegen boomt sicherlich auch aufgrund stark vereinfachter und attraktiver Zugriffsmöglichkeiten auf Inhalte und passende Kurse. Die Basis dafür liefert eine neue Generation von Learning Management Experience Plattformen (LMXP) und Lernmanagement-Systemen (LMS). Sogenannte „Predictive Learning Journeys”, sprich betreute „Lernreisen“ für Fortbildungen und passende Karrierewege, die einen Mehrwert für sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen bieten, helfen bei der richtigen Ausrichtung und lassen sich individuell gestalten und nutzen. Plattformintegrationen ermöglichen die Einbindung von Lerninhalten und lassen sich über bekannte Oberflächen und Tools leicht verwenden. Lerninhalte und Kursformate sind so besser an den Arbeitsalltag angepasst. Der mobile Zugriff auf Videomaterial, Micro-Learning-Einheiten und interaktive Kurse ermöglicht es jedem Mitarbeiter, orts- und zeitunabhängig zu lernen.

Hybride Lernwelten

Digitale Trainings- und Lernangebote werden seit zwei Jahren noch stärker nachgefragt. Viele Unternehmen haben mittlerweile die zahlreichen Möglichkeiten des Online-Lernens und deren Effektivität entdeckt – und das nicht nur bedingt durch notwendige Lockdowns und HomeOffice-Phasen in Zeiten der Pandemie. Präsenzschulungen wird es trotzdem auch weiterhin geben. Das sogenannte „Blended Learning“ ist eine gelungene Kombination aus beiden Lernwelten. Für viele Schulungsbedürfnisse ist digitales Lernen der effizienteste Weg, um sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter Schulungen wahrnehmen können, die auf ihre individuellen Bedürfnisse und ihre Vorkenntnisse zugeschnitten sind. In Bereichen, in denen Präsenzschulung wichtig ist, können digitale Angebote das Wissen vertiefen oder als Vorbereitung dienen. Es zeigt sich immer deutlicher, dass hybrides Arbeiten ein fester Bestandteil der Arbeitswelt bleiben wird. Daher ist auch zu erwarten, dass sich ein ähnliches Bild in den Bereichen Karriereförderung, Fortbildung und Umschulungsmaßnahmen zeigen wird.

Vergessene Mitarbeitergruppen einbinden

Digitale Fortbildungsangebote vereinfachen nicht nur die individuelle, nutzerfreundliche Gestaltung von Lerninhalten. Sie ermöglichen auch die Einbindung von Mitarbeitergruppen, die bisher bei diesem Thema so gut wie gar nicht einbezogen waren. In der Vergangenheit waren kostspielige Fortbildungen häufig den Führungskräften vorbehalten. Digitales Lernen öffnet nun die Türen für alle Mitarbeitergruppen. Neue digitale Kompetenzen werden abteilungsübergreifend benötigt. Trotzdem waren bisher oft lediglich die „Schreibtischtäter” oder sogenannten „White Collar Worker“ die einzigen, denen entsprechende Fortbildungen zur Verfügung standen. Die „Blue Collar“ Kollegen in anderen Unternehmensbereichen, wie z. B. der Fertigung, waren in der Regel in derartige Schulungsangebote nicht miteinbezogen. Heute kann Online-Lernen mobil erfolgen, sodass Schulungen nicht mehr nur auf die Mitarbeiter am PC und Laptop im Büro begrenzt sind. 75 Prozent des Video-Contents wird heute bereits über Smartphones konsumiert – das hat auch Einfluss auf die Themen Lernen und Weiterbildung [ii].

Während früher Koordination und Vergabe von Fortbildungsmaßnahmen der Unternehmungsleitung vorbehalten waren, hat es die Belegschaft heute auch selbst in der Hand, auf weiterbildenden Content zuzugreifen und so sich selbst und das Unternehmen für die Zukunft vorzubereiten.

Social Learning – keine Spielerei, sondern Lernen von Experten

Analysten sehen sogenannte „Social Learning“-Formate, die an TikTok, Instagram und YouTube erinnern, als Trend für die nahe Zukunft. Ist das lediglich ein Hype für hippe Start-ups und Digital Natives oder auch für Unternehmen in traditionelleren Geschäftsfeldern relevant, die technische Qualifizierungen und Fähigkeiten aufbauen möchten? Geistiges Eigentum ist in zahlreichen Geschäftsfeldern das wichtigste Kapital. Solche Inhalte über öffentliche Plattformen zu teilen, ist daher für viele Firmen unvorstellbar. Ein Trend in Richtung „User Generated Content“ findet sich bei genauerer Beobachtung aber auch bei Kunden aus Branchen wie der Automobilindustrie oder Fertigung. In manchen Unternehmen können beispielsweise Mitarbeiter ein Video auf eine gesicherte LMXP oder Lernplattform hochladen, das nach einem Training zeigt, wie sie einen Motor warten oder eine technische Tätigkeit in der Produktion ausführen. So lassen sich praktische Prüfungen durch die Vorgesetzen auch auf Distanz durchführen. Besonders gelungene Demonstrationen können im Zuge des „Social Learnings“ so auch als Lernmaterial für andere Mitarbeiter des Unternehmens verwendet werden. Dadurch kann Wissen aus der Praxis von echten Experten – sozusagen Peer-to-Peer – vermittelt werden.

Fortbildung als Mittel zur Motivationssteigerung und Mitarbeiterbindung

Engagierte und fähige Mitarbeiter zu motivieren und zu halten ist enorm wichtig für Unternehmen und wird durch den Fachkräftemangel noch entscheidender. Corporate Learning erweist sich im Talentmanagement laut Analystenmeinungen für die Bindung von Mitarbeitern und die Personalentwicklung als entscheidender Faktor[iii]. Über 50 Prozent aller Angestellten weltweit spielen mit dem Gedanken, ihren aktuellen Job zu kündigen[iv]. Als Gründe hierfür zählen vor allem Unzufriedenheit mit den aktuellen Aufgaben, sowie fehlende Chancen auf Fortbildung und Karriere. 94 Prozent der Mitarbeitenden würden länger in ihrem Unternehmen bleiben, wenn dieses mehr in sie investierte.[v] Es lohnt sich daher für Unternehmen, die Unternehmensziele mit den persönlichen Zielen und Karriereerwartungen der Mitarbeiter zu verbinden. Investition in Schulungen und Mitarbeiterentwicklung zahlen sich somit nicht nur für die Mitarbeitenden, sondern auch für das Unternehmen als Ganzes aus. Denn wenn sich das operative Wissen der Belegschaft verbessert, steigert dies auch die Leistung des gesamten Unternehmens. Lernen als Strategie für Unternehmenserfolg wird infolgedessen immer bedeutender.

Die Expertin:

Doris Pearce-Niederwieser ist Senior Customer Sales Director bei SumTotal Systems. Die gebürtige Österreicherin hat einen Master-Abschluss in Organisationspsychologie und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Markt für Lösungen zur Unterstützung von HR- und Human Capital Management (HCM) sowie Corporate Learning.


[i]https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Trends/PDF/2021/IW-Trends_2021-01-05_Seyda.pdf
[ii]https://invideo.io/blog/video-marketing-statistics/
[iii]2021-37 The Aragon Research Globe™ for Corporate Learning, 2021.pdf (S. 3)
[iv]https://www.weforum.org/agenda/2021/06/remote-workers-burnout-covid-microsoft-survey/
[v]https://www.gcpr.de/wp-content/uploads/2021/09/STS-WHITE-PAPER-HR-in-a-Changing-World-White-DE.pdf (Seite 6)

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