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Sind Frauen die besseren Führungskräfte?

März 14, 2022 | by SumTotal Blog | 4 min read

Diversitäts-Defizite und fünf Erkenntnisse aus der Pandemie

Am 8. März ist Weltfrauentag. Daher werfen im März jeden Jahres Wirtschaftsanalysten, Gleichberechtigungsbeauftragte und HR-Verantwortliche einen Blick auf den aktuellen Status sowie neue Entwicklungen zum Thema Gleichberechtigung im Berufsleben. Während der letzten beiden Jahre gab es durch die Pandemie zudem zahlreiche Auswirkungen, die auch das Berufsleben und die Karriere von Frauen besonders stark beeinflusst haben. Das führt wieder einmal zu der Frage: Wie lassen sich Diversitäts-Defizite überwinden? Gleichzeitig zeigten sich in der Krise aber auch Führungsqualitäten, die die Fragen aufwerfen: Sind Frauen die besseren Führungskräfte?

Doppelbelastung während der Pandemie

Die Krise hat keine wirklich neuen Ungleichheiten geschaffen. Vielmehr hat sie diese sichtbarer gemacht und teilweise noch verstärkt. Zahlreiche Studien belegen, dass Frauen von Maßnahmen wie Lockdown und Home-Schooling besonders betroffen sind. Die Aufgabenverteilung im Haushalt folgt laut Umfragen[i] noch immer vorwiegend klassischen Rollenbildern – selbst wenn beide Partner in einer Beziehung berufstätig sind. Das zeigte sich auch in der COVID-Krise: 69 Prozent der Frauen gaben an, dass sie die generelle Hausarbeit erledigen. Bei den Männern sehen sich nur 11 Prozent für diese Aufgabe hauptverantwortlich. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Kinderbetreuung und beim Home-Schooling. Auch hier gab die Mehrzahl der Befragten an, dass die Frauen die dabei anfallenden Aufgaben übernehmen, während der Wert bei den Männern zwischen 13 und 15 Prozent lag.

Wie haben es trotzdem so viele berufstätige Frauen in den letzten beiden Jahren geschafft, Beruf und Zusatzanforderungen zu meistern? Diese Beobachtung sollte eigentlich ein Beleg für die Resilienz und die Multitasking-Fähigkeiten von Frauen sein, die auch für Unternehmen einen wertvollen Vorteil darstellen.

Führungsqualitäten in Krisensituationen

Während der letzten beiden Jahre gab es zahlreiche Anekdoten darüber, dass die weiblichen Staatsoberhäupter insgesamt besser mit der Krise umgegangen sind. Forschungsergebnisse belegen zudem, dass die Anzahl der Erkrankungen und Todesfälle in von Frauen geführten Ländern systematisch niedriger waren[ii]. Daraufhin beschloss ein Beratungsunternehmen, in seiner globalen Datenbank nach Mustern zu suchen, wie weibliche und männliche Führungskräfte in Organisationen auf die Krise reagiert haben. Die entsprechenden Daten stammen aus Bewertungen von über 60.000 Führungskräften (22.603 Frauen und 40.187 Männer)[iii]. Die Auswertung zeigte, dass Frauen bei 13 der 19 Kompetenzbewertungen positiver bewertet wurden. Besonders bei „zwischenmenschlichen“ Fähigkeiten wie „Inspiration und Motivation“, „klare Kommunikation“, „Zusammenarbeit/
Teamarbeit“ und „Beziehungsaufbau“, schnitten Frauen deutlich besser ab. Interessant war auch, dass sich bei einem Abgleich der Bewertungen von vor und während der Pandemie der positive Bewertungsvorsprung der weiblichen Manager noch verstärkte.

Diversitäts-Defizite in Deutschland

Zahlreiche Studien belegten die Vorteile von Diversität in der Führungsebene[iv]. Trotzdem wird diese noch immer von Männern dominiert. In Deutschland sind laut KfW Research sogar weniger Frauen in Führungspositionen als im internationalen Durchschnitt. Lediglich 28 % der mittleren bis oberen Führungspositionen werden hierzulande von Frauen besetzt. In der EU liegt der Durchschnitt bei 31 % und in den USA übersteigt der Anteil immerhin 40 %. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen lag laut Angaben von Statista im Jahr 2020 bei lediglich 11,5 %[v].

Bereits seit vielen Jahrzehnten gibt es ein Ringen um Chancengleichheit, mit dem Ziel mehr Diversität in Führungsebenen zu etablieren. Versuche mit „Frauenquoten“ zu intervenieren haben allerdings nur wenig Bewegung in die Vorstandsebenen gebracht. Mittlerweile haben die Vereinten Nationen "Gender Equality" als eines der 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung definiert. Hierzu stellt der UN Global Compact Unternehmen verschiedene Instrumente und Publikationen zur Verfügung, mit denen Gleichstellung gefördert werden kann[vi].

Gerechte Bezahlung als Ansatzpunkt

Dank umfassender Sozialleistungen und einem vergleichsweise langem Mutterschaftsurlaub hat Deutschland generell einen relativ guten Ruf in puncto Gleichberechtigung. Da ist es umso überraschender, dass neben dem geringen Anteil von Frauen in der oberen Führungsebene auch das geschlechtsspezifische Lohngefälle eines der größten in Europa ist. In Deutschland beträgt das „Gender Pay Gap“ noch immer fast 20 %, während Frauen in Italien im Durchschnitt 5 % weniger verdienen als Männer.[vii]

Die geschlechtsspezifische soziale und berufliche Ungleichheit insgesamt lässt sich vermutlich leider nicht kurzfristig lösen. Die ungleiche Bezahlung bietet aber zumindest einen Ansatzpunkt, um gezielt gegen Benachteiligungen vorzugehen. Island führte 2018 als weltweit erstes Land eine Richtlinie ein, nach der Unternehmen und Institutionen mit mehr als 25 Mitarbeitern nachweisen müssen, dass Männer und Frauen für einen gleichwertigen Job auch gleichermaßen bezahlt werden. Ein Jobbewertungstool für den „Equal Wage Management Standard“ hilft dabei, diese Vorgabe umzusetzen. Die Wirkung der Maßnahme auf die Arbeitswelt in Island war so positiv, dass Unternehmen seit 2020 eine Zertifizierung für einen entsprechenden Standard umsetzen müssen. Tun sie dies nicht, drohen empfindliche Geldstrafen.[viii]


Die Expertin:
Doris Pearce-Niederwieserist Senior Customer Sales Director bei SumTotal Systems. Die gebürtige Österreicherin hat einen Master-Abschluss in Organisationspsychologie und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich HR- und Human Capital Management (HCM) sowie Corporate Learning.


[i]https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2020/dezember/corona-traditionelle-aufgabenverteilung-im-haushalt-belastet-frauen-stark

[ii]https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3617953

[iii]https://hbr.org/2020/12/research-women-are-better-leaders-during-a-crisis

[iv]https://www.mckinsey.com/~/media/McKinsey/Business%20Functions/Organization/Our%20Insights/Delivering%20through%20diversity/Delivering-through-diversity_full-report.ashx

[v]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180102/umfrage/frauenanteil-in-den-vorstaenden-der-200-groessten-deutschen-unternehmen/

[vi]https://www.globalcompact.de/de/newscenter/meldungen/Einblicke-in-die-Debatte-zum-Gesetz-zur-Frauenquote-und-Unterstuetzungsangebote-des-UN-Global-Compact.php

[vii]https://www.dw.com/en/germanys-gender-pay-gap-shrinks-but-still-higher-than-eu-average/a-55860947

[viii]https://hbr.org/2021/01/how-iceland-is-closing-the-gender-wage-gap?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+harvardbusiness+%28HBR.org%29

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